Geographisches Kolloquium

10.11.2014 von 17:00 bis 18:00

Dr. Carolin Schurr, Universität Zürich

 

Wunschkinder made in Mexico: Biopolitische Geographien der (assistierten) Reproduktion

 

 

Überbevölkerung, ein Zuviel an Kindern, gilt bis heute als ein zentrales Hindernis für ‚Entwicklung’ im globalen Süden. Biopolitische Maßnahmen wie Familienplanungsprogramme haben in Lateinamerika insbesondere versucht, die Hyper-Fruchtbarkeit indigener und ländlicher Frauen zu kontrollieren. Somit zielen staatliche Biopolitiken darauf ab, nationale Körper auf bestimmte rassifizierte Art und Weise zu (re-)produzieren und zu regulieren. Indessen wird im Kontext schnell wachsender Fruchtbarkeitsmärkte Biopolitik immer mehr zu einer Bioökonomie. Am Beispiel des neuen Marktes für Fruchtbarkeits- und Leihmuttertourismus in Mexiko beschäftigt sich der Vortrag mit der Frage, wie neue Formen der Eugenik in dieser globalen Bioökonomie entstehen. Indem Eizellen weißer Spenderinnen mehr Wert zugeschrieben bekommen als Eizellen von nicht-weißen Frauen und die Körper indigener Frauen zwar die Kinder westlicher Paare als Leihmütter austragen, aber keine genetischen Spuren hinterlassen, entstehen neue postkoloniale Geographien rassifizierter Reproduktion. Welches Leben wie viel ‚wert’ ist, wessen Gene gefragt sind und welche Eizellen lieber erst gar nicht befruchtet werden, entscheidet nicht länger Vater Staat, sondern die Kaufkraft der Wunscheltern.

 

Der Vortrag diskutiert, wie globale Ungleichheiten zwischen Nord und Süd durch transnationalen Formen der Fortpflanzung (re-)produziert beziehungsweise herausgefordert werden.

 

Geographisches Kolloquium, 10.11.2014 - 17:15 Uhr Ludewig-Meyn-Str. 12, Raum9, Hörsaal Geographie


Diesen Termin meinem iCal-Kalender hinzufügen

zurück